Die Beratung

Hilfreich beraten

Nachdem die Klärung abgeschlossen ist, kann der Ratgeber beginnen, dem Ratsuchenden aus seiner emotionalen Betroffenheit zu helfen und ihm zu einer distanzierteren, multiperspektivischen Reflexion anzuregen. Dazu hat er mehrere Möglichkeiten:

Hypothesen

Hypothesen sind vermutete Zusammenhänge eines Falles. Es gibt nicht eine richtige Hypothese, sondern je nach Blickwinkel mehrere Erklärungsmöglichkeiten. Hypothesen dürfen auch verstören oder etwas abstrus sein um den Blick zu weiten und dem Ratsuchenden zu helfen eingefahrene Denkstrategien zu durchbrechen.  Beispiel:  Nach der Eingewöhnung seines Kindes kommt ein alleinerziehender Vater ständig mit neuen Problemen und Fragen zur Erzieherin. Sie vermutet, dass er eventuell überfordert ist und überlegt sich wie sie das bei dem Vater ansprechen könnte. Eine Kollegin stellt nun die Vermutung auf, dass der Vater nicht überfordert ist, sondern aus Sympathie den Kontakt zu der Erzieherin sucht. Je nachdem welcher Hypothese man folgt, gibt es nun verschieden Handlungsmöglichkeiten.

Es ist wichtig, sich von der eigenen Hypothese etwas zu distanzieren um nicht in die Versuchung zu geraten sie dem Ratsuchenden aufzudrängen.

Eigene Erfahrungen

Eigen Erfahrungen sind mit Vorsicht zu genießen. Auf keinen Fall das Gespräch an sich reißen, und seine eigenen Erfahrungen in den Mittelpunkt stellen. Es gibt keine zwei gleichen Fälle und was in einem Fall eine gute Lösung ist muss nicht auf den anderen Fall passen. Der Ratsuchende will seine eigene Lösung finden die auf seinen Fall und zu seiner Persönlichkeit passt. Eigene Erfahrungen können eventuell entlasten, wenn man sie zeigen sollen, dass der Ratsuchende nicht alleine von einem Problem betroffen ist.

Fragen

Fragen sind die bevorzugte Möglichkeit um Distanz und Multiperspektivische Blickwinkel zu ermöglichen.

Vorweg: „Nicht jede Frage muss eine heilsame, horizonterweiternde, perspektivenändernde Wirkung haben. Viel zu hoher Anspruch!“
Zirkuläres Fragen (auch: Triadische Fragen)

Zirkuläres Fragen ermöglicht dem Beratenen einen Perspektivwechsel.

Der Ratsuchende wird bei dieser Fragetechnik nicht zu seiner eigenen Einstellung und seinen Handlungen befragt, sondern zu Personen, die in diesem Umfeld eine Rolle spielen.

Das Ziel des zirkulären Fragens ist es, die unterschiedlichen Positionen und Sichtweisen zu beleuchten. So werden Prozesse in Beziehungssystemen erforscht und aufgedeckt. Der Denkprozesse wird aus eingefahrenen Denkmustern gelöst und eine multiperspektivische Analyse von Problemen kann stattfinden.

Zirkuläre Fragen haben ihren Ursprung in  der systemischen Therapie und werden oft auch im Coaching und der Beratung eingesetzt.

Beispiele für zirkuläre Fragen im beruflichen Kontext:

Was denkst du, wie sich deine Kollegin in dieser Situation fühlt?

Wie würde die Leitung diese Situation einschätzen?

Was glaubst du, wie die Eltern die Situation sehen?

Was denkst du, wie die Eltern reagieren würden, wenn du etwas änderst?

Wie würde die Mutter über einen Abbruch der Eingewöhnung denken?

Was würden die Eltern zu einem Wechsel der Bezugsperson währen der Eingewöhnung denken?

Was würden deine Kolleginnen sagen, wenn du dich in dieser Situation anders positionierst?

Wie würde deine Vorgesetzte mit dieser Situation umgehen?

Wie würden die Kinder auf diese Änderungen reagieren?

Was macht deine Kollegin anders, damit das Kind bei ihr nicht so reagiert?

Wer leistet aus Sicht deiner Chefin bessere Arbeit? Du oder dein Kollege?

Hypothetischen Fragen:

Hypothetische Fragen sind „was wäre wann Fragen“. Die Kreativität wird durch die Suche nach potentiellen Lösungen angeregt. Es wird ausgeleuchtet ob das Lösen des Problems auch Nachteile mit sich bringt.

Kann zu Klarheit darüber führen, ob ein Wunsch oder Ziel tatsächlich erstrebenswert ist.

Der Berater kann aus den Antworten gemeinsam mit dem Ratsuchenden die nächsten Schritte im Prozess erörtern.

Hypothetische Fragen Beispiele:

Wie würdest du die Herausforderung angehen, wenn Geld keine Rolle spielt?

Wie sieht der Idealzustand aus?

Was würdest du tun, wenn du ganz allein eine Entscheidung herbeiführen könntest?

Wie würdest du an die Aufgabe herangehen, wenn du beliebig viel Zeit hättest?

Was würde sich für die Kinder/Eltern/Kollegen ändern, wenn du deinen Plan umsetzen könntest?

Was wäre, wenn du dich auf einmal nicht mehr über Ihre Kollegin aufregen würden?

Wie würdest du reagieren, wenn dich jemand in diesem Fall um Hilfe bittet?

Wenn sich das Problem in den nächsten 6 Monaten nicht auflöst, welche Folgen hätte das?

 Paradoxe Fragen

Paradoxe Fragen sollen helfen den Blick auf das Problem zu erweitern.

Paradoxe Fragen Beispiele:

Was müsstest du tun, damit die Situation richtig eskaliert?

Was müsstest du tun, damit das Kind noch aggressiver/teilnahmsloser/unruhiger wird?

Was müsstest du tun, damit du endgültig ein Burnout erleidest?

Was müsste passieren, damit dein Chef dich feuert?

Was müsstest du tun, damit dein Kollege richtig sauer ist?

Wodurch könntest du das Projekt endgültig zum Scheitern bringen?

Wie könntest du es erreichen, noch schlechter zu schlafen?

Wie könnten Sie es schaffen, sich noch öfter mit Ihren Kindern zu streiten?

Wie schaffen Sie es noch weniger motiviert zur Arbeit zu gehen?

Was müsste passieren, damit du dich noch mehr über deine Kollegen ärgerst?

Wie ließe sich das Problem weiter verschlimmern?