Kollegiale Beratung zu zweit

Kollegiale Beratung

Warum kollegiale Beratung 2.0?

Trotz der vielen nachgewiesenen positiven Effekt wird die Kollegiale Beratung – auch Intervision genannt –  in Kitas nur wenig genutzt. Der Hauptgrund ist die knappe Teamzeit, in der immer mehr organisatorische Themen besprochen werden müssen und nur wenig Zeit für Probleme einzelner Kolleg*innen bleibt.

„Zuviel Ressourcen für mein kleines Problem“: Kolleg*innen möchten die wertvolle Teamzeit nicht für ihr Problem verschwenden, obwohl Kollegiale Beratung auch für die nicht betroffenen Erzieher*innen sehr hilfreich ist.

Deshalb kann die Kollegiale Beratung, für die eigentlich der Gruppenmodus Voraussetzung ist, auch im Dialog mit zwei Beteiligten durchgeführt werden. Diese Form der Beratung nenne ich: Kollegiale Beratung 2.0

Damit die Intervision mit nur zwei Personen funktioniert ist es wichtig die Wirkungsweise der Kollegialen Beratung zu verstehen!

Was wirkt bei einer kollegialen Beratung

Zu einem eher kleinen Teil ist es die Erfahrung und das Wissen des Beraters. Bei einer Beratung unter Kollegen ist des Wissensunterschied meist nur gering und beide haben oft einen ähnlichen Erfahrungshorizont.

„Der Mensch als Experte für sein eigens Schicksal“

Der eigentliche Effekt einer Intervision, ist die vom Berater angestoßene Selbstreflexion und Hilfe zu einer multiperspektivische Analyse des Ratsuchenden. Da der Ratsuchende auf Grund seiner Eingebundenheit und seiner emotionalen Betroffenheit oft nicht den nötigen Abstand herstellen und eine gute Lösung finden kann. Er möchte aber auch nicht von außen bestimmt werden sondern seine eigene Lösung finden. Deshalb gleich zu Beginn zwei „No-gos“ während des Gesprächs:

  • Der Berater sollte nicht das Gespräch an sich reißen und ausführlich von seinen Erfahrungen sprechen. Der Ratsuchende bleibt im Mittelpunkt!
  • Der Berater drängt dem Ratsuchende keine Lösung auf! Das es keine zwei gleiche Fälle gibt, muss der Ratsuchende seine eigene Lösung finden!

Aufgabe des Berater ist es, dem Beratenen zu helfen alternative Standpunkte einzunehmen um so das Problem von verschiedenen Seiten betrachten zu können. Er verhilft ihm auch zu mehr Kreativität bei der Lösung seines Falles. In der systemischen Sichtweise wird der Mensch gesehen als: „Experte für sein Schicksal, der nur genügend Anregung und Stimulation braucht, um auf die ihm gemäße Art, seine Probleme selbst zu lösen.“ Wie der Berater das tun kann ist unter: „Die Beratung“ zu finden.

Positive Effekte einer Kollegialen Beratung

Die positiven Auswirkungen einer herkömmlichen Intervision sind ausgiebig erforscht und belegt, z. B. von Dr. Kim-Oliver Tietze. Genannt werden unter anderem:

  • Kollegiale Beratung hilft Beratenen dabei, berufsbezogene Probleme zu lösen
  • Kollegiale Beratung fördert bei Beratenen eine multiperspektivische Analyse von Problemen
  • Kollegiale Beratung ermöglicht allen Beteiligten stellvertretendes Lernen
  • Die Teilnahme an kollegialer Beratung fördert eine Entwicklung von Professionalität

Definition Kollegiale Beratung

„Kollegiale Beratung beschreibt ein Format personenorientierter Beratung, bei dem im Gruppenmodus wechselseitig berufsbezogene Fälle der Teilnehmenden systematisch und ergebnisorientiert reflektiert werden.

  • Personenorientiert: Es geht um ein Problem zwischen zwei Personen, z.B. eine Erzieher*in hat Schwierigkeiten mit einem Eingewöhnungskind, oder eine Erzieher*in braucht Rat wie sie ein anstehendes, schwieriges Elterngespräch führen soll. Davon abweichend ist z.B. die Fallbesprechung, wenn alle Erzieher über Verhaltensauffälligkeiten eines Kindes sprechen.
  • Beratung: Es ist kein Anleitungsgespräch bei dem der Ratsuchende belehrt wird.
  • Gruppenmodus: Die herkömmliche kollegiale Beratung setzt mehrere Teilnehmer voraus, die in verschiedenen Rollen agieren.
  • Wechselseitig: Die Rolle des Beraters und des Ratsuchende sind nur für eine Beratung festgelegt. Die Rollen können bei einem anderen Problem getauscht sein. D.h. es gibt nicht eine Person die alle anderen bei ihren Problemen berät.
  • Berufsbezogen: Es geht nicht um rein private Themen. Allerdings können auch Konflikte, die sich auf die Arbeit auswirken Thema sein.
  • Systematisch – Die Beratung findet nicht aus dem Bauch heraus statt sondern folgt einem vorgegebenen, bewährten Schema
  • Ergebnisorientiert – Kein „von der Seele reden“, sondern es wird nach einer Lösung gesucht.

Das bedeutet, dass der Ratsuchende Hilfe einfordert, um seine eigene Lösung zu finden die zu ihm und seiner Situation passt. Das bedeutet auch, das der Berater keinen Druck hat eine Lösung zu finden. Die Verantwortung für die Lösung bleibt beim Ratsuchenden. Er nutzt den Berater zur Reflektion und um seine eigenen Ressourcen zu aktivieren. Kollegiale Beratung ist also Hilfe zur Selbsthilfe!

Ablauf einer kollegialen Beratung 2.0

  1. Klärung des Auftrags und des Settings
  2. Der Fall wird vorgestellt
  3. Verständnisfragen und Klärung
  4. Die Beratung
  5. Lösungsvorschläge
  6. Ende der Beratung
  7. Rückmeldung an den Berater
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